Sommerausflug an die Ahr 1838
Einen Eindruck vom heutigen Leben in Birresdorf kann sich jeder selbst machen. Wer den Ort schon länger kennt, hier vielleicht noch lebt oder gelebt hat, kann auch von dem Wesen des Dorfes und dessen Änderung in den letzten Jahrzehnten berichten. Ältere Mitbürger haben eigene Erinnerungen, die bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückreichen. Beim Versuch, noch weiter zurück zu gehen, wird es schwieriger, denn mündliche Überlieferungen sind oft ungenau und Schriftstücke, die einen Eindruck vom Leben vor mehr als 100 Jahren geben, nicht vorhanden oder rar gesät.
Einen solchen Blick in die Vergangenheit gewährt ein Reisebericht vom Juli 1838. In der „Zeitung für die elegante Welt“ beschreibt ein Herr Beer mit philosophischen Ausschweifungen einen dreitägigen Sommerausflug, der ihn von Köln aus mit seiner Frau und ihren vier Kindern im Alter von 10 bis 14 Jahren an die Ahr führt.
In Köln beginnt die Reise. Der „Riesendom“ ist bereits ein beeindruckender Anblick, obwohl er damals noch unfertig war und erst 1880 fertig gestellt wurde. Dort hält es der Autor jedoch nicht mehr aus, denn nach einem Jahr in der Stadt mit „elenden baumlosen Dörfern“ in einer „alles Interesses ermangelnden Gegend“ sehnt er sich nach „einem freien Atemzuge in der Natur“.
Mit der Postkutsche geht es zunächst nach Bonn und dort von Poppelsdorf zu Fuß nach Godesberg. Nach dem Besuch der dortigen Burg wird die Wanderung über Mehlem den Rhein entlang nach Rolandseck fortgesetzt. Von einem Ortskundigen geführt wird der Marsch dann über den bewaldeten Bergkamm Richtung Birresdorf fortgesetzt. Dies beschreibt der Autor wie folgt: „Endlich traten wir aus dem Gehölz heraus auf eine freie Hochebene, wo einige Schafherden mit Behagen das kurze Gras abmähten. Ein freundlicher Bauer […] geleitete uns bis an das nächste Dorf, Birresdorf […]“. Dann folgt eine Beschreibung die einen kurzen Blick in die Birresdorfer Vergangenheit ermöglicht: „Traurig ist der Kontrast der freundlichen Menschen in diesem durchaus gesegneten Landstriche mit dem Schmutze ihrer Hütten. In dem Wirtshause war kaum ein Fleck zu finden, wo man sich ohne Ekel hätte setzen mögen, und als ich gar in den Hof gehen wollte, um Wasser zu suchen, um dadurch den säuerlichen Landwein zu einer nicht unlieblichen Limonade zu verdünnen, war es buchstäblich nicht möglich, einen Schritt vorwärts zu tun, ohne bis über die Knöchel in Mistjauche zu versinken, die hier nicht […] in der Mitte des Hofes gesammelt wird, sondern ringsum bis an die Wände der Gebäude läuft. Die Menschen aber waren reinlich gekleidet, die Männer durchgängig in blauen Kitteln, die rosigen Kinder in weißen Hemdärmeln (es war Sonntag), der ganze Schlag freundlich und angenehm.“
Nach der Rast geht es weiter in Richtung Ahrweiler: „Von Birresdorf führte uns der Weg talwärts durch ein gebrochenes angenehmes Land, über Feld, durch Dörfer mit Obstbäumen, stille Wohnorte friedlicher Menschen. Eine solche Gegend hat einen großen Reiz“
Von Ahrweiler aus führt der Ausflug nach Altenahr und wieder zurück. Danach tritt die Familie über Heppingen, Remagen und Rolandseck den Rückweg an. Das letzte Stück von Godesberg bis Köln wird mit einem Dampfschiff auf dem Rhein zurückgelegt.
Quelle
- A. T. Beer (1838): „Ausflug an die Ahr, im Sommer 1838“; Zeitung für die Elegante Welt, Achtunddreißigster Jahrgang 1838, Ausgaben Nr. 182 (Montag, 17.09.1838) bis Nr. 186 (Sonnabends, 22.09.1838), Leipzig, Verlag von Leopold Voss (Google Books)