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'''Eduard Profittlich''' (* 11. September 1890 in Birresdorf; † 22. Februar 1942 in Kirow im Stadtgefängnis Nr. 1) war ein deutscher Jesuit, Glaubenszeuge, Märtyrer, Apostolischer Administrator für Estland und Titularerzbischof. Nach ihm ist die [[Eduard Profittlich Straße]] benannt.
Dr. Dr. [[Eduard Profittlich]] <abbr title="Societas Jesu = Ordenskürzel der Jesuiten">SJ</abbr>  (* 11. September 1890 in Birresdorf; † 22. Februar 1942 in Kirow, Russland) war Jesuit, Märtyrer, Apostolischer Administrator für Estland und Titularerzbischof. Nach ihm ist die [[Eduard Profittlich Straße]] benannt.


== Literatur ==
== Schule und Studium ==
* Ottmar Prothmann: ''[http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/hjb1992/hjb1992.16.htm Eduard Profittlich, ein Bekennerbischof aus Birresdorf]'' ([http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/INH/inhalt.hjb1992.htm Heimatjahrbuch 1992 des Kreises Ahrweiler], S. 70)
* Lambert Klinke: ''Erzbischof Eduard Profittlich und die katholische Kirche in Estland 1930-1942'', Hess Bad Schussenried 2000, ISBN 3873360268
Zeitungsartikel:
* „Standhafter Hirte und Märtyrer“ (Grafschafter Zeitung Nr. 8, 21.02.2002)


== Weblinks ==
Sein schulischer Werdegang führte ihn von der Volksschule in Leimersdorf über das Progymnasium Ahrweiler zum Gymnasium Linz, wo er 1912 seine Reifeprüfung ablegte. Anschließend besuchte er zunächst das Priesterseminar in Trier. Da er allerdings wie sein älterer Bruder Peter (1878&ndash;1915) Jesuit werden wollte, trat er am 11.04.1913 in das Noviziat der Jesuiten in `s-Heerenberg (Niederlande) ein und setzte sein Studium ab dem 20.09.1914 an der Jesuiten-Hochschule in Valkenburg (Niederlande) fort. Dieses konnte er &ndash; unterbrochen durch den Einzug zum Militärdienst als Sanitäter im 1. Weltkrieg &ndash; 1922 abschließen.
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Profittlich Wikipedia: Eduard Profittlich]
 
* Die katholischen Neumärtyrer Rußlands: [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitlih Übersicht], [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitliharticle Artikel], [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitlihphoto Fotos], [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitlihbiblio Rede]
== Priesterweihe ==
* [https://portal.d-nb.de/opac.htm?query=atr%3D123410940+OR+nid%3D123410940&method=simpleSearch Literatur von und über Eduard Profittlich]  im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
 
* [http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bprof.html Eintrag über Eduard Profittlich auf ''catholic-hierarchy.org'']
Zum Priester wurde Eduard Profittlich am 27.08.1922 in Valkenburg durch den Bischof von Roermond, Laurentius Schrijnen, geweiht. Anschließend hielt er seine Primiz am 30.08.1922 in seiner Heimatpfarrkirche St. Stephanus in Leimersdorf.
* Der Fels: [http://www.der-fels.de/2003/07-2003.pdf „Erzbischof Dr. Eduard Profittlich ein Opfer des Kommunismus“], 34. Jahr Nr. 7, Juli 2003
 
== Polenseelsorger ==
 
Er meldete sich freiwillig für die Russlandmission des Jesuitenordens und bereitete sich darauf zunächst bei einem weiterführenden Studium in Krakau (Polen) vor. Hier promovierte er zunächst im Juni 1923 in Philosophie und dann im Juli 1924 in Theologie. Nach seinem Tertiat in Czechowice-Dziedzice (Polen) von September 1924 bis Juni 1925 machte jedoch die politische Lage einen Einsatz in der damaligen Sowjetunion unmöglich. Daher wurde er von August 1925 bis März 1928 als Volksmissionar, Exerzitienmeister und Prediger in Oppeln (heute Polen) eingesetzt.
 
Von dort wurde er als Kaplan nach St. Ansgar (Kleiner Michel) in Hamburg mit der besonderen Aufgabe der Polenseelsorge gerufen. In Hamburg legte er am 02.02.1930 das Ordensgelübde der Jesuiten (Ewige Profess) ab.
 
== Berufung nach Estland ==
 
Im gleichen Jahr wurde er dann durch den Apostolischen Administrator für Estland, Erzbischof Antonino Zecchini, zum Pfarrer von St. Peter und Paul in Tallinn (Hauptstadt von  Estland) berufen. Dessen Amt übernahm er am 11.05.1931.
 
Aufgrund seiner guten Arbeit in Estland wurde Eduard Profittlich von Papst Pius XI. bei einer Privataudienz am 28.09.1933 Apostolischen Protonotar ernannt. Am 27.11.1936 erfolgte die Ernennung zum Erzbischof. Da Tallinn keine Diözese war, wurde er zum „Titularerzbischof von Adrianopel“ (Edirne, Türkei). Die Bischofsweihe in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Tallinn erfolgte am 27.12.1936 durch Erzbischof Antonino Arata.
 
Auch seiner Heimatgemeinde blieb er verbunden. So hielt er am 16.05.1937 ein feierliches Pontifikalamt in der Pfarrkirche Leimersdorf ab. Sein letzter Besuch bei der Familie in Birresdorf fand am 31.07. und 01.08.1938 statt.
 
== Inhaftierung und Tod ==
 
Als sowjetische Truppen am 17.06.1940 das Baltikum besetzten, rang er wegen einer drohenden Deportation mit sich um eine Rückkehr in seine Heimat. Schließlich entschied er sich, bei seiner Gemeinde in Estland zu bleiben &ndash; auch weil ihm der Heilige Stuhl dafür grünes Licht gab. In der Folge wurde er am 27.06.1941 wegen antisowjetischer Agitation und Spionage verhaftet.
 
Am Ende des Gerichtsprozesses wurde er am 21.11.1941 „wegen verbotener Mithilfe bei der Ausreise von katholischem Kirchenpersonal“ zu fünf Jahren Freiheitsverlust in einem Straflager der <abbr title="Narodny kommissariat wnutrennich del = Volkskommissariat für innere Angelegenheiten">NKWD</abbr>  sowie „wegen kontrarevolutionärer Tätigkeit und Agitation in der Kirche“ zum Tod durch Erschießen verurteilt. Es folgte seine Deportation in das Gefängnis von Kirow (Russland), wo er am 22.02.1942 mit 51 Jahren vor Vollstreckung seiner Hinrichtung starb.
 
== Unklares Schicksal ==
 
Das Schicksal von Eduard Profittlich nach seiner Verhaftung blieb allerdings für Jahrzehnte unklar. Erst in Folge der Unabhängigkeit Estlands rehabilitierte das Oberste Gericht Estlands ihn am 12.06.1990 vollständig und gab Dokumente zur Einsicht frei, die eine teilweise Rekonstruktion seiner letzten Lebensmonate erlauben.
 
== Seligsprechung ==
 
Bei einer Gedächtnisfeier für die Zeugen des Glaubens im 20. Jahrhundert am 07.05.2000 wurde Eduard Profittlich von Papst Johannes Paul II. als „leuchtendes Beispiel“ bezeichnet. Am 30.01.2002 wurde für ihn das Seligsprechungsverfahren eingeleitet, ein Prozess der mehrere Jahre bis Jahrzehnte dauern kann.
 
== Zeitliche Übersicht ==
 
* 11.09.1890 &ndash; Geburt in Birresdorf als Sohn von Markus Profittlich (1850&ndash;1913) und Dorothea Profittlich geb. Seiwert (1846&ndash;1920)
* Bis 1904 &ndash; Besuch der Volksschule in Leimersdorf
* Einjähriger Privatunterricht bei Pastor Buhr
* Ab 1905 &ndash; Besuch des Progymnasiums Ahrweiler
* 1909 &ndash; Besuch des Gymnasiums Linz
* 1912 &ndash; Schulabschluss
* 1912 &ndash; Besuch des Priesterseminars in Trier
* Aufnahmeprüfung für den Jesuitenorden
* 11.04.1913 &ndash; Eintritt in das Noviziat der Jesuiten in `s-Heerenberg, Niederlande
* 20.09.1914 &ndash; Studium an der Jesuiten-Hochschule in Valkenburg, Niederlande
* 04.01.1916 &ndash; Tonsur und Weihe zum Subdiakon durch Bischof Hermann Döring in Trier
* 1916 &ndash; Einzug zum Militärdienst: Grundausbildung, anschl. Militärkrankenwärter im Kriegslazaret Verviers, Belgien
* Nach Kriegsende &ndash; Wiederaufnahme des Studiums
* 26.03.1922 &ndash; Weihe zum Diakon durch den Erzbischof von Köln, Karl Joseph Kardinal Schulte
* 27.08.1922 &ndash; Priesterweihe in Valkenburg durch den Bischof von Roermond, Laurentius Schrijnen
* 30.08.1922 &ndash; Primiz in der Heimatpfarrkirche in Leimersdorf
* Studium in Krakau, Polen
* Juni 1923 &ndash; Promotion in Philosophie
* Juli 1924 &ndash; Promotion in Theologie
* September 1924 bis Juni 1925 &ndash; Tertiat in Czechowice-Dziedzice, Polen
* August 1925 bis März 1928 &ndash; Volksmissionar, Exerzitienmeister und Prediger in Oppeln, heute Polen
* März 1928 &ndash; Berufung nach Hamburg: Kaplan in St. Ansgar (Kleiner Michel ) und Polenseelsorger
* 02.02.1930 &ndash; Ordensgelübde (Ewige Profess) in der Hamburger Niederlassung der Jesuiten
* 1930 &ndash; Berufung zum Pfarrer von St. Peter und Paul in Tallinn, Estland, durch den Apostolischen Administrator für Estland, Erzbischof Antonino Zecchini
* 11.05.1931 &ndash; Ernennung zum Apostolischer Administrator von Estland
* 28.09.1933 &ndash; Privataudienz bei Papst Pius XI. und Ernennung zum Apostolischen Protonotar
* 27.11.1936 &ndash; Ernennung zum Erzbischof durch Papst Pius XI. „Titularerzbischof von Adrianopel“ (Tallinn war keine Diözese)
* 27.12.1936 &ndash; Bischofsweihe in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Tallinn durch Erzbischof Antonino Arata
* 16.05.1937 &ndash; Feierliches Pontifikalamt in der Pfarrkirche Leimersdorf
* 31.07. und 01.08.1938 &ndash; (Letzter) Besuch in Birresdorf
* 17.06.1940 &ndash; Sowjetische Truppen besetzen das Baltikum; Drohende Deportation; Weigerung, Estland zu Verlassen
* 27.06.1941 &ndash; Verhaftung wegen antisowjetischer Agitation und Spionage
* 21.11.1941 &ndash; Verurteilung „wegen verbotener Mithilfe bei der Ausreise von katholischem Kirchenpersonal“ zu fünf Jahren Freiheitsverlust in einem Straflager der <abbr title="Narodny kommissariat wnutrennich del = Volkskommissariat für innere Angelegenheiten">NKWD</abbr> sowie „wegen kontrarevolutionärer Tätigkeit und Agitation in der Kirche“ zum Tod durch Erschießen
* 23.11.1941 &ndash; Beschwerde gegen das Urteil
* 16.01.1942 &ndash; Ablehnung der Berufung
* 22.02.1942 &ndash; Tod in Kirow, Russland, während der Gefangenschaft (51 Jahre)
* 12.06.1990 &ndash; Das Oberste Gericht Estlands rehabilitiert Eduard Profittlich in Folge der Unabhängigkeit Estlands (30.03.1990) vollständig. Die öffentlichen Teile der Verhörprotokolle, Zeugenaussagen und Gerichtsdokumente werden zur Einsicht freigegeben und die bestehende Unklarheit über sein Schicksal geklärt.
* September 1990 &ndash; Feierliche Prozession zum 100. Geburtstag von Eduard Profittlich von der [[Hubertuskapelle]] in Birresdorf zur St. Stephanus-Kirche in Leimersdorf; Neben Pastor Herrmann Eugen Heckel und Weihbischof Leo Schwarz nimmt auch der Pfarrer von Pfarrer von St. Peter und Paul aus Tallinn teil
* 07.05.2000 &ndash; Gedächtnisfeier für die Zeugen des Glaubens im 20. Jahrhundert; Papst Johannes Paul II. bezeichnet Eduard Profittlich als „leuchtendes Beispiel“ und „wertvolles Erbe“, der „uns alle als Glaubende unterstützen möge, damit wir ebenso mutig unsere Liebe zu Christus ausdrücken.“
* 30.01.2002 &ndash; Einleitung des Seligsprechungsverfahren für Erzbischof Eduard Profittlich
* 22.02.2002 &ndash; Festgottesdienst zum 60. Todestag in der Pfarrkirche St. Stephanus in Leimersdorf
 
== Quellen und weiterführende Literatur ==
 
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Profittlich Wikipedia-Eintrag zu Eduard Profittlich] <small>(Abruf am 21.01.2011)</small>
* Ottmar Prothmann (1992) [http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/hjb1992/hjb1992.16.htm „Eduard Profittlich, ein Bekennerbischof aus Birresdorf“] in [http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/INH/inhalt.hjb1992.htm Heimatjahrbuch 1992 des Kreises Ahrweiler], S. 70
* P.W. (2002) „Standhafter Hirte und Märtyrer &ndash; Vor 60 Jahren starb Erzbischof Eduard Profittlich im Straflager“; Grafschafter Zeitung Nr. 08/2002 vom 21.02.2002
* Lambert Klinke (2000) „Erzbischof Eduard Profittlich und die katholische Kirche in Estland 1930 &ndash; 1942“; Hess, Ulm; ISBN 3-87336-026-8
* Lambert Klinke (2001) [http://www.bbkl.de/p/profittlich_e.shtml Eintrag zu Eduard Profittlich] im [http://www.bbkl.de/ Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon]  <small>(Abruf am 21.01.2011)</small>
* Eduard Werner (2003) „Erzbischof Dr. Eduard Profittlich &ndash; ein Opfer des Kommunismus“ in Der Fels, 34. Jahr, Nr. 7, Juli 2003, S. 224
* Paulinus (2003) [http://www.wochenzeitung.paulinus.de/archiv/0308/bistuma2.htm „Letzte Messe unter dem Gelächter der Wachen &ndash; Seligsprechungsverfahren für Erzbischof Profittlich ist eingeleitet“] in [http://www.wochenzeitung.paulinus.de/ Paulinus, Wochenzeitung im Bistum Trier], Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.3003 (Abruf 21.01.2011)
* Bistum Trier (2003) [http://cms.bistumsarchiv-trier.de/bistum-trier/Integrale?SID=CRAWLER&MODULE=Frontend&ACTION=ViewPageView&PageView.PK=17&Template.PageStructureNode.PK=2&Document.PK=7449 „Seligsprechungsverfahren für Erzbischof Eduard Profittlich SJ (1890-1942)“]; Kirchliches Amtsblatt vom 01.03.2003, Jahrgang Nr. 147, Artikel Nr. 49 (Abruf 21.01.2011)
* Die katholischen Neumärtyrer Rußlands: [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitlih Übersicht], [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitliharticle Artikel], [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitlihphoto Fotos], [http://de.catholicmartyrs.org/index.php?mod=pages&page=profitlihbiblio Rede] <small>(Abruf am 21.01.2011)</small>
* [https://portal.d-nb.de/opac.htm?query=atr%3D123410940+OR+nid%3D123410940&method=simpleSearch Literatur von und über Eduard Profittlich]  im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek <small>(Abruf am 21.01.2011)</small>
* [http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bprof.html Eintrag über Eduard Profittlich auf ''catholic-hierarchy.org''] <small>(Abruf am 21.01.2011)</small>
* Der Fels: [http://www.der-fels.de/2003/07-2003.pdf „Erzbischof Dr. Eduard Profittlich &ndash; ein Opfer des Kommunismus“], 34. Jahr Nr. 7, Juli 2003 <small>(Abruf am 21.01.2011)</small>

Version vom 21. Januar 2011, 18:17 Uhr

Eduard Profittlich

Dr. Dr. Eduard Profittlich SJ (* 11. September 1890 in Birresdorf; † 22. Februar 1942 in Kirow, Russland) war Jesuit, Märtyrer, Apostolischer Administrator für Estland und Titularerzbischof. Nach ihm ist die Eduard Profittlich Straße benannt.

Schule und Studium

Sein schulischer Werdegang führte ihn von der Volksschule in Leimersdorf über das Progymnasium Ahrweiler zum Gymnasium Linz, wo er 1912 seine Reifeprüfung ablegte. Anschließend besuchte er zunächst das Priesterseminar in Trier. Da er allerdings wie sein älterer Bruder Peter (1878–1915) Jesuit werden wollte, trat er am 11.04.1913 in das Noviziat der Jesuiten in `s-Heerenberg (Niederlande) ein und setzte sein Studium ab dem 20.09.1914 an der Jesuiten-Hochschule in Valkenburg (Niederlande) fort. Dieses konnte er – unterbrochen durch den Einzug zum Militärdienst als Sanitäter im 1. Weltkrieg – 1922 abschließen.

Priesterweihe

Zum Priester wurde Eduard Profittlich am 27.08.1922 in Valkenburg durch den Bischof von Roermond, Laurentius Schrijnen, geweiht. Anschließend hielt er seine Primiz am 30.08.1922 in seiner Heimatpfarrkirche St. Stephanus in Leimersdorf.

Polenseelsorger

Er meldete sich freiwillig für die Russlandmission des Jesuitenordens und bereitete sich darauf zunächst bei einem weiterführenden Studium in Krakau (Polen) vor. Hier promovierte er zunächst im Juni 1923 in Philosophie und dann im Juli 1924 in Theologie. Nach seinem Tertiat in Czechowice-Dziedzice (Polen) von September 1924 bis Juni 1925 machte jedoch die politische Lage einen Einsatz in der damaligen Sowjetunion unmöglich. Daher wurde er von August 1925 bis März 1928 als Volksmissionar, Exerzitienmeister und Prediger in Oppeln (heute Polen) eingesetzt.

Von dort wurde er als Kaplan nach St. Ansgar (Kleiner Michel) in Hamburg mit der besonderen Aufgabe der Polenseelsorge gerufen. In Hamburg legte er am 02.02.1930 das Ordensgelübde der Jesuiten (Ewige Profess) ab.

Berufung nach Estland

Im gleichen Jahr wurde er dann durch den Apostolischen Administrator für Estland, Erzbischof Antonino Zecchini, zum Pfarrer von St. Peter und Paul in Tallinn (Hauptstadt von Estland) berufen. Dessen Amt übernahm er am 11.05.1931.

Aufgrund seiner guten Arbeit in Estland wurde Eduard Profittlich von Papst Pius XI. bei einer Privataudienz am 28.09.1933 Apostolischen Protonotar ernannt. Am 27.11.1936 erfolgte die Ernennung zum Erzbischof. Da Tallinn keine Diözese war, wurde er zum „Titularerzbischof von Adrianopel“ (Edirne, Türkei). Die Bischofsweihe in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Tallinn erfolgte am 27.12.1936 durch Erzbischof Antonino Arata.

Auch seiner Heimatgemeinde blieb er verbunden. So hielt er am 16.05.1937 ein feierliches Pontifikalamt in der Pfarrkirche Leimersdorf ab. Sein letzter Besuch bei der Familie in Birresdorf fand am 31.07. und 01.08.1938 statt.

Inhaftierung und Tod

Als sowjetische Truppen am 17.06.1940 das Baltikum besetzten, rang er wegen einer drohenden Deportation mit sich um eine Rückkehr in seine Heimat. Schließlich entschied er sich, bei seiner Gemeinde in Estland zu bleiben – auch weil ihm der Heilige Stuhl dafür grünes Licht gab. In der Folge wurde er am 27.06.1941 wegen antisowjetischer Agitation und Spionage verhaftet.

Am Ende des Gerichtsprozesses wurde er am 21.11.1941 „wegen verbotener Mithilfe bei der Ausreise von katholischem Kirchenpersonal“ zu fünf Jahren Freiheitsverlust in einem Straflager der NKWD sowie „wegen kontrarevolutionärer Tätigkeit und Agitation in der Kirche“ zum Tod durch Erschießen verurteilt. Es folgte seine Deportation in das Gefängnis von Kirow (Russland), wo er am 22.02.1942 mit 51 Jahren vor Vollstreckung seiner Hinrichtung starb.

Unklares Schicksal

Das Schicksal von Eduard Profittlich nach seiner Verhaftung blieb allerdings für Jahrzehnte unklar. Erst in Folge der Unabhängigkeit Estlands rehabilitierte das Oberste Gericht Estlands ihn am 12.06.1990 vollständig und gab Dokumente zur Einsicht frei, die eine teilweise Rekonstruktion seiner letzten Lebensmonate erlauben.

Seligsprechung

Bei einer Gedächtnisfeier für die Zeugen des Glaubens im 20. Jahrhundert am 07.05.2000 wurde Eduard Profittlich von Papst Johannes Paul II. als „leuchtendes Beispiel“ bezeichnet. Am 30.01.2002 wurde für ihn das Seligsprechungsverfahren eingeleitet, ein Prozess der mehrere Jahre bis Jahrzehnte dauern kann.

Zeitliche Übersicht

  • 11.09.1890 – Geburt in Birresdorf als Sohn von Markus Profittlich (1850–1913) und Dorothea Profittlich geb. Seiwert (1846–1920)
  • Bis 1904 – Besuch der Volksschule in Leimersdorf
  • Einjähriger Privatunterricht bei Pastor Buhr
  • Ab 1905 – Besuch des Progymnasiums Ahrweiler
  • 1909 – Besuch des Gymnasiums Linz
  • 1912 – Schulabschluss
  • 1912 – Besuch des Priesterseminars in Trier
  • Aufnahmeprüfung für den Jesuitenorden
  • 11.04.1913 – Eintritt in das Noviziat der Jesuiten in `s-Heerenberg, Niederlande
  • 20.09.1914 – Studium an der Jesuiten-Hochschule in Valkenburg, Niederlande
  • 04.01.1916 – Tonsur und Weihe zum Subdiakon durch Bischof Hermann Döring in Trier
  • 1916 – Einzug zum Militärdienst: Grundausbildung, anschl. Militärkrankenwärter im Kriegslazaret Verviers, Belgien
  • Nach Kriegsende – Wiederaufnahme des Studiums
  • 26.03.1922 – Weihe zum Diakon durch den Erzbischof von Köln, Karl Joseph Kardinal Schulte
  • 27.08.1922 – Priesterweihe in Valkenburg durch den Bischof von Roermond, Laurentius Schrijnen
  • 30.08.1922 – Primiz in der Heimatpfarrkirche in Leimersdorf
  • Studium in Krakau, Polen
  • Juni 1923 – Promotion in Philosophie
  • Juli 1924 – Promotion in Theologie
  • September 1924 bis Juni 1925 – Tertiat in Czechowice-Dziedzice, Polen
  • August 1925 bis März 1928 – Volksmissionar, Exerzitienmeister und Prediger in Oppeln, heute Polen
  • März 1928 – Berufung nach Hamburg: Kaplan in St. Ansgar (Kleiner Michel ) und Polenseelsorger
  • 02.02.1930 – Ordensgelübde (Ewige Profess) in der Hamburger Niederlassung der Jesuiten
  • 1930 – Berufung zum Pfarrer von St. Peter und Paul in Tallinn, Estland, durch den Apostolischen Administrator für Estland, Erzbischof Antonino Zecchini
  • 11.05.1931 – Ernennung zum Apostolischer Administrator von Estland
  • 28.09.1933 – Privataudienz bei Papst Pius XI. und Ernennung zum Apostolischen Protonotar
  • 27.11.1936 – Ernennung zum Erzbischof durch Papst Pius XI. „Titularerzbischof von Adrianopel“ (Tallinn war keine Diözese)
  • 27.12.1936 – Bischofsweihe in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Tallinn durch Erzbischof Antonino Arata
  • 16.05.1937 – Feierliches Pontifikalamt in der Pfarrkirche Leimersdorf
  • 31.07. und 01.08.1938 – (Letzter) Besuch in Birresdorf
  • 17.06.1940 – Sowjetische Truppen besetzen das Baltikum; Drohende Deportation; Weigerung, Estland zu Verlassen
  • 27.06.1941 – Verhaftung wegen antisowjetischer Agitation und Spionage
  • 21.11.1941 – Verurteilung „wegen verbotener Mithilfe bei der Ausreise von katholischem Kirchenpersonal“ zu fünf Jahren Freiheitsverlust in einem Straflager der NKWD sowie „wegen kontrarevolutionärer Tätigkeit und Agitation in der Kirche“ zum Tod durch Erschießen
  • 23.11.1941 – Beschwerde gegen das Urteil
  • 16.01.1942 – Ablehnung der Berufung
  • 22.02.1942 – Tod in Kirow, Russland, während der Gefangenschaft (51 Jahre)
  • 12.06.1990 – Das Oberste Gericht Estlands rehabilitiert Eduard Profittlich in Folge der Unabhängigkeit Estlands (30.03.1990) vollständig. Die öffentlichen Teile der Verhörprotokolle, Zeugenaussagen und Gerichtsdokumente werden zur Einsicht freigegeben und die bestehende Unklarheit über sein Schicksal geklärt.
  • September 1990 – Feierliche Prozession zum 100. Geburtstag von Eduard Profittlich von der Hubertuskapelle in Birresdorf zur St. Stephanus-Kirche in Leimersdorf; Neben Pastor Herrmann Eugen Heckel und Weihbischof Leo Schwarz nimmt auch der Pfarrer von Pfarrer von St. Peter und Paul aus Tallinn teil
  • 07.05.2000 – Gedächtnisfeier für die Zeugen des Glaubens im 20. Jahrhundert; Papst Johannes Paul II. bezeichnet Eduard Profittlich als „leuchtendes Beispiel“ und „wertvolles Erbe“, der „uns alle als Glaubende unterstützen möge, damit wir ebenso mutig unsere Liebe zu Christus ausdrücken.“
  • 30.01.2002 – Einleitung des Seligsprechungsverfahren für Erzbischof Eduard Profittlich
  • 22.02.2002 – Festgottesdienst zum 60. Todestag in der Pfarrkirche St. Stephanus in Leimersdorf

Quellen und weiterführende Literatur