Hubertuskapelle

Aus Birresdorf
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Frontansicht der Kapelle an der Ecke Hubertusweg/Kirchgasse
Seitenansicht der Kapelle am Hubertusweg
Abendstimmung © Thomas Knauf

Die Hubertuskapelle ist das Wahrzeichen von Birresdorf. Die Kapelle wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet und ist das älteste Gebäude im Ort. Sie ist dem heiligen Hubertus geweiht. An ihrem heutigen Standort steht sie nach einer aufwändigen Versetzung erst seit 1982.

Geschichte

Dieser Abschnitt stellt nur einen groben Abriss der Kapellengeschichte dar. Weit ausführlicher ist sie in der 1996 erschienenen Festschrift Hubertuskapelle in Birresdorf - Mittelpunkt der Dorfgeschichte von Ottmar Prothmann dargestellt, die für den folgenden Text als Grundlage diente.[1]

Bau und Einweihung

Eingeweiht wurde die Kapelle am 25. Mai 1671, ihr Bau dürfte jedoch bereits ein Jahrzehnt zuvor begonnen haben. Die damals etwa 120 Einwohner von Birresdorf wählten den heiligen Hubertus[2] zu ihrem Patron. Heute ist Hubertus zwar eher als Patron der Jäger bekannt, doch damals wurde er hauptsächlich zum Schutz gegen die Tollwut angerufen, die auch Hubertus-Krankheit genannt wird.

Bemühungen um einen Neubau

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden erstmals Rufe nach einem Neubau der Kapelle laut. Gerade äußerlich war sie stark renovierungsbedürftig und so wurde am 21.02.1921 ein Kapellenbau-Verein gegründet. Ein Bauplatz wurde zwar an der Ecke Berkumer Straße / Im Ort (vgl. Alter Spielplatz) gefunden, aber die Geldentwertung[3] ließ diesen ersten Anlauf scheitern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bemühungen um einen Neubau zunächst wieder aufgenommen, jedoch erneut wegen Finanzierungsschwierigkeiten verworfen und gegen Ende der 1940er Jahre eine Renovierung ins Auge gefasst.

Dann bot der Bankier und Besitzer des Bentgerhofs Hermann Josef Abs an, sich an einem Neubau zu beteiligen, wenn er im Gegenzug die Kapelle abtragen und vollständig am Bentgerhof wiedererrichten dürfe. Er wollte sie vermutlich als Grabstätte für sich und seine Frau nutzen. Dies wurde jedoch abgelehnt, da insbesondere die Hubertusjagd wieder in einem Neubau angebracht werden sollte.

Schließlich wurde die Kapelle 1953/54 vollständig restauriert. Ein Jahr später, am 30.10.1955, wurde eine neue Glocke eingeweiht und eine neue Hubertusstatue fertiggestellt.

Versetzung der Kapelle

Versetzung der Kapelle 1982

Nach der Restaurierung dauerte es nur 16 Jahre, ehe 1970 erneut ein Kapellenabriss thematisiert wurde. Aufgrund des stark zugenommenen Verkehrs wurde die Kapelle mehr und mehr zu einem Hindernis. Alternativen wie eine Umgehungsstraße waren zu teuer, jedoch sprach sich der Landeskonservator in Mainz eindeutig gegen einen Abriss aus, so dass eine Lösung aussichtslos schien.

Als jedoch in der Nähe des bisherigen Kapellenstandorts ein Grundstück frei würde, kam 1977 die Idee auf, die Kapelle dorthin zu verschieben. Dieses Vorhaben konnte 1982 umgesetzt werden. Am Freitag, dem 23. April 1982, wurde die Kapelle zunächst etwa sechs Meter in südlicher Richtung versetzt. Am Montag, dem 26. April 1982, erfolgte dann eine Drehung um 90 Grad und sie wurde noch einige Meter nach Westen zu ihrem heutigen Standort gezogen.

Siehe auch: Kapellenversetzung 1982

Jüngere Geschichte

Zum 325jährigen Jubiläum der Kapelleneinweihung erschien 1996 die Festschrift Hubertuskapelle in Birresdorf - Mittelpunkt der Dorfgeschichte von Ottmar Prothmann.

Vor der 900-Jahr-Feier des Ortes wurde die Kapelle 2011 renoviert. Sie wurde außen neu gestrichen, ein neuer Handlauf wurde angebracht und das Kapellenumfeld einschließlich des Vorplatzes neu gestaltet. Neben der Türe wurde außerdem eine Eduard Profittlich-Gedenktafel angebracht und in der Nische über der Tür eine neue Josef-Statue aufgestellt.

Innenraum

Blick in den Innenraum mit Altar, Hubertusjagd, Hubertusstatue und Pietà
Nach Betreten der Kapelle fällt der Blick sofort über sechs Sitzreihen hinweg zum Altar. Darüber ist auf einem Balken die Hubertusjagd angebracht. Rechts davon steht in einer Nische die Pietà, während links vom Altar der Heilige Hubertus von einem Podest hinabblickt. Auf der rechten Seite erhellen zwei Fenster den Raum, ein Ewiges Licht[4] hängt von der Wand und in einer kleinen Nische sind die Kännchen für Wein und Wasser untergebracht. Außerdem können zwei gusseiserne Lampen jeweils hier als auch auf der linken Seite den Raum erhellen. Auf der linken Seite hängt ein Kruzifix an der Wand.
Blick vom Altar über die Sitzreihen Richtung Ausgang und Empore
Blick aus der Kapelle auf den Kapellenvorplatz
Nach ein paar Schritten ins Innere und einer Drehung zurück zum Eingang sieht man links vom Eingang einen Schrank, in dem beispielsweise Messgewänder untergebracht sind. Direkt am Eingang ist ein kleines Weihwasserbecken angebracht und auf einem Tisch liegen Gebetsbücher. Eine enge, steile Treppe führt zur Empore hinauf. Dort stehen einige Stühle, durch ein kleines Fenster fällt Licht hinein und durch eine Klappe in der Decke hängt ein Seil zum Läuten der Glocke hinunter.

Altar

Apostel Matthias
Kruzifix in der Expositionsnische
Antependium mit Muttergottes
Der Altar stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.[1] Ganz oben ist der Apostel Matthias dargestellt.[1][5] Darunter gibt es eine drehbare Expositionsnische, die durch ein Kruzifix blockiert ist. Das Antependium[6] zeigt die Muttergottes.

Hubertusjagd

Die Hubertusjagd

Auf einem Balken über dem Altar ist die Hubertusjagd angebracht. Dieses „Kleinod der Bauernkunst“[7] zeigt eine Szene aus der Legende des Heiligen Hubertus.

Hubertus war auf der Jagd und stellte einem kapitalen Hirsch nach. Als er endlich die Möglichkeit hatte, das Tier zu erlegen, blieb dieses stehen und zwischen seinem Geweih erschien ein leuchtendes Kreuz. Außerdem vernahm Hubertus die Stimme Gottes. Daraufhin kniet er nieder – die Szene, die in der Birresdorfer Kapelle wiedergegeben ist.

Unter der Hubertusjagd steht geschrieben:

ECCE EGO MITTAM EIS VENATORES ET VENABUNTUR EOS
TEB 16
1803 PETER JOSEPH SCHMITZ

Der erste Teil heißt übersetzt „Siehe, ich schicke ihnen Jäger, die sie jagen werden“. Das „TEB 16“ müsste korrekterweise „Jer 16, 16“ (Jeremias, Kapitel 16, Vers 16) heißen. Dort heißt es vollständig: „Seht, ich hole viele Fischer – Spruch des Herrn –, die sollen sie fangen; dann hole ich viele Jäger, die sollen sie erlegen auf jedem Berg und Hügel und in den Felsenklüften.“[8] Zuletzt wird das Kunstwerk auf das Jahr 1803 datiert und der Name „Peter Joseph Schmitz“ weist vermutlich auf den Künstler hin.[1]

Pietà

Pietà

Als Pietà (italienisch für „Frömmigkeit, Mitleid“) oder Vesperbild wird eine Darstellung der Maria mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus bezeichnet.[9] In der Hubertuskapelle ist die Pietà in einer Nische rechts vom Altar untergebracht. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert.[1]

Hubertusfigur

Hubertusfigur

Die Figur zeigt den Heiligen Hubertus als Bischof und steht links vom Altar auf einem Podest. Sie wurde 1955 von Wilhelm Tophinke[10] geschaffen und steht seither in der Kapelle.

In dem Buch, das Hubertus in der rechten Hand hält, ist auf der linken Seite die Renovierung der Kapelle und auf der rechten Seite die Ausstattung mit der Figur vermerkt:

Kapelle Birresdorf Instandgesetzt 1954 von Hochw. Pfarrer Alois Geisen
1955 Neue Hubertusfigur

Kruzifix

Kruzifix in der Kapelle

Auf der linken Innenwand der Kapelle hängt ein Kruzifix. In früheren Zeiten soll es bei Prozessionen verwendet worden sein.[1]

Umgebung

Am unteren Ende der Berkumer Straße sind Pflastersteine in den Boden eingelassen. Diese deuten den Grundriss der Kapelle an ihrem ursprünglichen Standort an.

Die Wasserpumpe, die früher links neben der Kapelle stand, wurde auf dem neu geschaffenen Kapellenvorplatz aufgestellt. Als Auffangbecken dient ein behauener Stein, der bei der Versetzung im Fundament gefunden wurde.

Hinter der Kapelle wurde das 1988 fertiggestellte Feuerwehrhaus von Birresdorf errichtet.[11]

Hubertustag

Der 3. November ist der Hubertustag[12] und wird auch in Birresdorf gefeiert. Dabei erfolgt in der Kapelle eine Brotsegnung.

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Ottmar Prothmann (1996) „Hubertuskapelle in Birresdorf – Mittelpunkt der Dorfgeschichte“ (1996 als Festschrift zum 325-jährigen Kapellenjubiläum erschienen)
  2. Vgl. Wikipedia:Hubertus von Lüttich
  3. Vgl. Wikipedia:Deutsche Inflation 1914 bis 1923
  4. Vgl. Wikipedia:Ewiges Licht
  5. Vgl. Wikipedia:Apostel Matthias
  6. Vgl. Wikipedia:Antependium
  7. Harry Lerch (1979) „Eine Kapelle wird wandern. Hubertusjagd in Birresdorf - Ein Kleinod der Bauernkunst“ (Heimatjahrbuch 1979 des Kreises Ahrweiler, S. 45)
  8. Einheitsübersetzung der Bibel: Jer 16,16
  9. Vgl. Wikipedia:Pietà
  10. Vgl. Wikipedia:Wilhelm Tophinke
  11. Ottmar Prothmann (1997) „Geschichte des Feuerlöschwesens in Birresdorf“ in „75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Birresdorf 1922–1997“; Festschrift von 1997
  12. Vgl. Wikipedia:Hubertustag